Ayurveda Philosophie

Strasse in Coimbatore
Strassenbild in Coimbatore (Indien), 2006

Meine erste Begegnung mit der Ayurveda Philosophie hatte ich im Alter von 21 Jahren auf einer Reise nach Indien. Ich kaufte in einem Ayurvedischen Shop ein kleines Heilmittel gegen Kopfschmerzen. Der Verkäufer erklärte mir, dass ich das Öl auf Daumen und Zeigefinger geben soll, die beiden Finger an die Nasenlöcher halten und kräftig einatmen. Ich tat, was mir geraten, atmete kräftig ein und…WOW! Ich dachte, ich meine Schädeldecke löse sich auf! Das Öl war derart scharf, vermutlich Senf- oder Meerrettichöl, dass es sich wie ein Feuer durch mein Gehirn frass. Die Kopfschmerzen verschwanden tatsächlich.

Ganzheitliches Denken

Seither lässt mich das wertvolle Wissen der Ayurveda Philosophie nicht mehr los. Es ist eine äusserst schöne und für mich absolut nachvollziehbare Mischung aus Wissenschaft und Lebensphilosophie. Alles hängt mit allem zusammen. Was ich esse, was ich denke, mit welchen Menschen ich mich umgebe, wie mein Bezug zur Natur ist und meine Haltung, während ich mein Essen zubereite – das alles hat einen Einfluss auf meinen Körper und mein Befinden.

(Rück-) Verbindung zur Natur

Wir haben uns bereits sehr stark von der Natur entfernt. Mit dem komplexen Wissen der indischen Naturheilkunde und der Ayurveda Philosophie kommen wir wieder ein Stück näher zu unserem Ursprung zurück. Mit der Lehre vom langen und gesunden Leben (Ayur = Leben, Veda = Wissen) können wir die Rückverbindung wieder vollziehen. Das heisst nicht, dass wir nun indisch denken oder uns indisch ernähren müssen. Es heisst vielmehr, dass wir wieder vermehrt auf die Qualität der Lebensmittel achten, mehr unserer inneren Weisheit vertrauen und unseren Körper mit naturbelassenen Lebensmitteln auch effektiv näher zur Natur bringen. Je kürzer der Weg vom Lebensmittel zum Teller ist, desto wertvoller ist es für unseren Körper.

Die fünf Elemente

Es ist auch der Weg zu einem spirituelleren Umgang mit dem eigenen Körper in Zusammenhang mit seiner Umwelt. Indem ich es mir wert bin, frische Kost zu mir zu nehmen, bin ich auch mit mehr Dankbarkeit und Demut mit der Erde verbunden. Je stärker meine Verbindung zur Natur, desto respektvoller gehe ich mir ihr um. Genauso wie der Planet aus den fünf Elementen Raum, Luft, Wasser, Feuer und Erde besteht, so sind auch alle Lebensmittel aus diesen Elementen aufgebaut und jedes Lebewesen auf der Erde. Über die fünf Elemente sind wir mit allem verbunden was sich unter unseren Füssen und über unserem Scheitel befindet. Begegnen wir diesen äusseren Elementen ohne Respekt, so treten wir schlussendlich auch unser eigenes Körpersystem mit Füssen.

Die Elemente der Erde und des Körpers

Die äusseren Elemente auf unserem Planeten sind einfach einzuordnen. Wasser kommt in den Seen, Flüssen und Meeren vor. Erde in den Bergen und Feldern, Feuer in den Vulkanen, Luft in den Wolken und Raum in der Leere der Zwischenräume. Im menschlichen Körper ist das Wasser in den Körperflüssigkeiten zu finden, die Erde in den Knochen und Sehnen, das Feuer im Magen und in den Zellen, die Luft in der Lunge und im Atem, der Raum in den Körperhohlräumen.

Die Philosophie ist jedoch noch viel umfassender. Jede Jahreszeit, jede Tageszeit, jedes Lebensalter und jedes Lebensmittel ist mit den Elementen verbunden. Mal herrscht das eine Element vor, mal das Andere. Doch immer, in jedem Moment unseres Lebens, müssen wir uns an die, von aussen prägenden Einflüssen, anpassen und gleichzeitig die Balance der inneren Elemente versuchen im Gleichgeweicht zu behalten. Gottlob ist der Körper intelligent und macht vieles von alleine richtig. Vorausgesetzt wir haben es ihm nicht allzu sehr abtrainiert.

Elemente, Geschmacksrichtungen und Doschas

Die fünf Elemente werden im Ayurveda den sechs Geschmacksrichtungen zugeordnet und gleichzeitig drei vitalen Grundkräften, die man Doshas nennt. Das sind die drei Begriffe Vata, Pitta und Kapha, die uns im Ayurveda immer wieder begegnen. Vata entspricht der Luft und dem Raum, Pitta dem Feuer und dem Wasser, Kapha der Erde und dem Wasser. In der Natur heisst das: Der Regen versorgt die Erde mit Feuchtigkeit. Die warmen Sonnenstrahlen bringen die Früchte zum Reifen und der Wind verteilt die Samen, aus denen wiederum neues Leben entstehen kann. Auf den menschlichen Körper bezogen heisst das:

  • Vata- das Prinzip der Bewegung: Vata, das windige Element, steht für Bewegung, Geist, Atmung, Gedanken, Empfindungen und Kreativität. Vata ist auch mit dem Nervensystem des Körpers sehr eng verbunden. Menschen mit einem dominanten Vata-Dosha sind meistens sehr schlank, drahtig und kreativ. Vata-Typen denken und sprechen schnell. Sie sind beweglich, leicht, frieren rasch, haben eher eine trockene, raue Haut und sind flink und locker. Sie haben eine sehr rasche Auffassungsgabe, neigen zu Nervosität, leichtem Schlaf, Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsschwäche und innerem Stress. Ihr Darm ist sehr empfindlich und reagiert schnell auf Veränderungen, Unregelmässigkeiten und Rohkost. Kalte, windige Witterung, ständiger Lärm, zu wenig Schlaf, Reisen und Nahrungsmittelzusätze wie Emulgatoren und Konservierungsstoffen können zu Problemen führen.
  • Pitta, das Prinzip der Umwandlung: Pitta regelt den Stoffwechsel und steuert Tätigkeiten des Verdauungssystems, der Körpertemperatur, Hautpigmentierung, Intellekt, Abwehrkraft und Vitalität. Sehkraft, Glanz und Geschmeidigkeit von Haut und Haar ist ebenfalls von Pitta gesteuert. Menschen mit einem starken Pitta sind kraftvolle, energische und leidenschaftliche Menschen. Sie sind entscheidungsfreudig, intelligent, willensstark und neigen zu emotionalen Gefühlsausbrüchen. Pitta heisst übersetzt Galle und entspricht den Elementen Feuer und einem kleinen Anteil Wasser. Seine körperliche Entsprechung hat das Pitta vor allem im Verdauungs- und Enzymsystem sowie der gesamten Umsetzungskraft des Stoffwechsels. Pitta-Typen sind feurig und heiss, voller Begeisterung und sprudelnder Lebensenergie. Doch diese Hochspannung kann sich auch leicht in Wutausbrüchen oder zynischer Kritiksucht entladen. Menschen mit einem grossen Pitta-Anteil sind meist sehr erfolgreich im Beruf oder Leistungssport und übernehmen gerne verantwortungsvolle Positionen in der Gesellschaft.
  • Kapha- das Prinzip der Stabilität: Das Kapha ist verantwortlich für die Stabilität von Muskeln, Knochen- und Fettgewebe. Ebenso für die Erhaltung von Gelenkschmiere und Feuchtigkeit der Schleimhäute. Kapha-Typen sind sehr beständige, fürsorgliche, liebevolle und sicherheitsbewusste Menschen. Sie sind eher schwer, bewegen sich langsam, haben eine träge Verdauung, langsame Sprechweise und einen tiefen Schlaf. Zudem verfügen sie über ein gutes Langzeitgedächtnis. Sie sind von Ihrer Konstitution her ausdauernd, oft etwas langsam und neigen zu Beschwerden wie Übergewicht, Unflexiblität, innerem Phlegma, sowie Entzündungen und Verschleimungen im Stirnhöhlen- und Lungenbereich.Übersetzt heisst Kapha Schleim. Es entspricht den Elementen Erde und Wasser und ist im Körper durch das Lymph- und Immunsystem und den Knochenbau vertreten. Kapha-Menschen lieben die täglichen Sinnesgenüsse und reagieren auf Stress, Ärger oder innere Konflikte gerne mit übermässigem Naschen.

Vier Ayurveda-Tipps für ein ausgewogenes Leben:

…. mit ein paar Inspirationen aus Indien, 2006. Die Bilder entstanden während unserem vierwöchigen Praktikum in der Millionenstadt Coimbatore, im Süden Indiens. Es war eine ungemein lehrreiche, inspirierende und unvergessliche Zeit. Indien ist anders. Doch nur weil etwas anders ist, heisst es nicht, dass es falsch ist. Diese Erkenntnis hat mein Leben geprägt.

Die vier Tipps aus der Ayurveda Philosophie meine ich ernst. Die Bilder dazu sind mit einem Augenzwinkern zu geniessen!

Strassenszene mit Kuh

1. Zungenschaber:

Morgens mit einem Löffel oder Zungenschaber vom hinteren Gaumenbereich bis zur Zungenspitze die Zunge reinigen. Wer damit mal begonnen hat, möchte es nicht mehr missen. Es ist eine effektive Methode, um den Körper von angesammelten Bakterien zu befreien und damit Mundgeruch, Erkältung und anderen Problemen vorzubeugen.

Hauptsache Bunt

2. Selbstmassage mit Öl:

Die ayurvedische Selbstmassage hilft, die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Man ölt den trockenen Körper von Kopf bis Fuss mit Sesamöl ein und stellt sich danach unter die Dusche. Das Ritual wirkt entspannend und nährend für den Körper.

Saro Water Servise

3. Morgens ein Glas heisses Wasser trinken:

Wasser ist ein Lebenselixier im Ayurveda. Trinkt man es morgens warm, so reinigt es den Körper und regt den Stoffwechsel an. Menschen mit viel Luft-Element trinken das Wasser heiss mit Ingwer und Zitrone, wer abnehmen möchte, trinkt es heiss mit Ingwer und Honig, wer viel Feuer in sich hat, sollte es warm trinken mit etwas Kardamom.

Metzgerei in Indien

4. Kurkuma verwenden

Das gelbe Gewürzpulver, Kurkuma, sollte ganz vorne im Regal der Küchenkräuter stehen. Es wirkt reinigend und entzündungshemmend. Zudem ist es sehr gut für die Haut und regt den Fettstoffwechsel an. Am besten täglich in die Mahlzeiten integrieren.  

Ein Gedanke zu „Ayurveda Philosophie

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