Gesunder Darm im Frühling

Gesunder Darm im Frühling

Hast du auch schon festgestellt, dass du im Verlauf des Jahres nicht immer auf dieselben Lebensmittel Lust hast? Klar, viele saisonale Eigenheiten ergeben sich aus der Verfügbarkeit des Lebensmittels. Aber wenn man wieder vermehrt auf die Magenintelligenz vertraut, ergeben sich durchaus Unterschiede. Im Sommer die Lust auf saftige Früchte, wie Melonen, Pfirsiche und Beeren. Im Winter die Lust auf schwere Speisen wie Fondue, Raclette, Fleischgerichte und dampfende Pasta. Und im Frühling? Da ist weniger mehr.

Dem Darm eine Pause gönnen

Im Frühling kommt bei manchen Leuten das Bedürfnis auf, einfach auch mal gar nichts oder weniger zu essen. Fasten scheint zum guten Wellnessprogramm zu gehören. Im Netz, in Zeitschriften und in Drogerien wird auf das Fasten und Entschlacken hingewiesen, was ich oft mit folgendem Gedanken zur Seite schiebe: «Stimmt! Fasten könnte ich auch mal – vielleicht nächstes Jahr». Ja, ich gebe es zu, ich bin keine Fasterin weil ich einfach viel zu gerne esse. Ayurveda, die indische Naturheilkunde, hat sogar eine Erklärung dafür. Meine Typologie ist stark vom Feuerelement geprägt. Das sind die Verbrenner. Wenn keine Nahrung da ist, die wir Feuer-Typen (Pitta) verbrennen können, werden wir unausstehlich reizbar, was wir ungern unserem Umfeld zumuten. Also, liebe Feuerschwestern und Feuerbrüder – lassen wir das mit dem strengen fasten, konzentrieren wir uns eher mal darauf, von allem weniger zu essen. Hier liegt nämlich der Schwachpunkt unserer Typologie. Wir überessen uns ständig.

Weniger ist mehr

Um meinem Körper zwischendurch eine Pause zu gönnen, esse ich montags in der Regel nur Mungbohnensuppe mit etwas grünem Gemüse. Diese Suppe ist reich an Eiweiss, stark basisch und zugleich voller Ballaststoffe. Ideal für einen Entlastungstag, ideal für die Gesundheit des Darmes. Diesem Organ möchte ich heute ein besonderes Augenmerk widmen, denn ein gesunder Darm ist die Basis einer guten Gesundheit. Dennoch nehmen viele Menschen ihre Verdauungsprobleme als gegeben hin. Vielleicht aus Angst vor Veränderungen.

Ist der Darm jedoch über lange Zeit chronisch verstopft oder überhitzt, sind viel grundlegende Verhaltensänderungen in den Ernährungsgewohnheiten wichtig. Mit dem Kauf von «free-from»-Produkten ist es meistens nicht getan.  Sehr häufig liegt das Problem bei der Darmflora. Die vielen bakteriellen Verdauungshelfer in unserem Darm sind mit der heutigen Ernährungsweise masslos überfordert. Die Fertigprodukte sind voller Fruchtzucker, industrieller Weizen, der für Brot und Teigwaren verwendet wird enthält ein Übermass an Klebereiweiss Gluten und Milchzucker wird als Füllmittel in Wurst, Senf, Backwaren bis hin zu Gewürzmischungen verwendet. Gleichzeitig fehlt vielerorts die Zeit und die Lust zum Kochen. So wird das Essen zur magenfüllenden Verpflegung. Das alles schwächt die Darmflora oder macht sie einseitig.

Das stört den Darm

  1. Zeitdruck: Weil die Verdauung im Mund beginnt, belastet allein der Zeitdruck beim Essen den Magen und den Darm. Durch langsames Kauen und Einspeicheln werden die Verdauungsenzyme aktiviert, welche Kohlenhydrate aufspalten.
  2. Zu wenig Magensäure: Im Magen, werden die Nahrungsmittel mit konzentrierter Säure zersetzt und gelangen in den Zwölffingerdarm, wo der Gallensaft die Fette emulgiert. Fehlt die Säure, werden Eiweisse sehr schlecht verdaut. Abhilfe schafft Zitronen- oder Apfelessigwasser vor dem Essen.
  3. Einseitige Darmflora: Im Dünndarm wird die Zerkleinerung der Nahrung mithilfe von Darmbakterien und Enzymen fortgesetzt. Für den Körper wichtige Nährstoffe gelangen über die Darmschleimhaut ins Blut, unverdaubare  Ballaststoffe, das Futter für die wichtigen Darmbakterien, bleiben im Darm und werden ausgeschieden.
  4. Träge Darmmuskulatur: Der Verdauungsapparat besteht aus Ring- und Längsmuskeln, welche den Speisebrei kneten und vorwärts transportieren. Wer sich bewegt, bewegt auch die Darmmuskeln
  5. Zu wenig Feuchtigkeit: Im Dickdarm wird dem Speisebrei Wasser entzogen. Wenn jemand mässig trinkt und dadurch allgemein zu wenig Wasser im Darm ist, trocknet der Speisebrei aus, das Volumen nimmt ab, der Stuhl verweilt länger im Darm, noch mehr Feuchtigkeit wird entzogen und der Teufelskreis beginnt.

Der Blick zurück lohnt sich

Im Ayurveda sind die Körperausscheidungen wichtige Hilfsmittel, um ein Beschwerdebild besser verstehen zu können. Was täglich morgens in der Kanalisation endet, ist unser wichtigstes Produkt. Zitat eines Kollegen: «Der Mensch produziert nur Scheisse!» Stimmt! Und stimmt sogar sinnbildlich für unseren Planeten, aber das ist ein anderes Thema, auf das ich sicher auch mal zu sprechen komme. Das Endprodukt unserer Ernährungsweise sind unverdaute Nahrungsfasern, welche über den Stuhlgang ausgeschieden werden.  Je besser die Nahrung unserem Lebensstil und unserer Verdauungskraft angepasst ist, desto angenehmer das morgendliche Endprodukt. Die traditionelle chinesische Medizin und Ayurveda sprechen von einem normalen Stuhl, wenn er kompakt und glatt ist, nur schwach riecht und der Stuhlgang idealerweise morgens erfolgt. Starker Geruch hingegen deutet auf Fäulnisbakterien hin, Durchfall oder ungeformter Stuhl auf zu viel Hitze und harter, seltener Stuhl auf Trockenheit und Kälte im Körper.

Was dein Darm braucht

Kommen wir zurück zum Frühling. Genauso wie das Haus oder die Wohnung im Frühling auf Vordermann gebracht wird, ist auch im Körpertempel eine sanfte Reinigung äusserst wohltuend. Ich möchte hier ein paar Tipps anfügen, von denen ihr auf keinen Fall alle umsetzen sollt. Aber vielleicht ein Punkt rauspicken und ein Selbstexperiment wagen?

  • Weniger ist mehr: Die Abendmahlzeit zweimal pro Woche durch eine Suppe, Gemüsebouillon oder Misosuppe ersetzen.
  • Am Montag fasten: Ob es nun Säfte, Früchte, Mungbohnen oder Gerstenwasser ist spielt keine Rolle. Aber dein Körper dankt es dir, wenn du den Gedärmen ab und zu eine Pause gönnst.
  • Würziger Aperitif: 1 Tasse Wasser, eine Scheibe Ingwer, 1 ½ Teelöffel Kreuzkümmelsamen, 5 Pfefferkörner, ½ Teelöffel Bockshornkleesamenpulver, ¼ Teelöffel Salz und ¼ Teelöffel Zucker, zehn Minuten auf dem Herd kochen. Vor der Hauptmahlzeit trinken.
  • Trinkrituale: Am Morgen nach dem Aufstehen ein Glas warmes Wasser mit einem Schuss Apfelessig und einem Teelöffel Honig trinken. Der Apfelessig sollte unpasteurisiert sein. Du findest ihn im Reformhaus.
  • Enthaltsamkeit: Verzichte für zwei Wochen entweder auf Weizenprodukte, Kuhmilchprodukte, Fleisch, Alkohol oder Zucker. Das hilft dir, deinen Körper von einer anderen Seite kennenzulernen und lässt dich neue Dinge auf dieser Welt entdecken. Bei der Suche nach Alternativen, entdeckst du Produkte, die du nie kennengelernt hättest. Büffelmilchjoghurt, Kamut-Maccaroni (auch Weizen, aber nicht so überzüchtet) oder mariniertes, pflanzliches Poulet.

Was sind eure Erfahrungen? Wie gestaltet ihr die Frühlingsernährung? Habt ihr einen guten Tipp für die Darmgesundheit? Ich freu mich auf eure Beiträge!

4 Gedanken zu „Gesunder Darm im Frühling

  1. Sabine Miryam Hurni Autor des BeitragesAntworten

    Per Mail erreichte mich folgende Frage:

    «Mein Darm reagiert oft mit Verstopfung auf Ortswechsel, obwohl ich sehr gut auf die Ernährung achte. Generell ist die Verdauung eher träg. Was kann ich da machen?» V.G., Bern

    Und hier meine Antwort:

    Danke für Ihre Anfrage. Aus Ayurvedischer Sicht ist der Darm dem Wind- und Raum-Element zugeordnet. Solange dieser Wind frei fliessen kann, befindet sich die Verdauung im Gleichgewicht. Reisen, Sorgen, Stress und Zeitverschiebungen bringen jedoch das Wind-Element zeitweilig in Aufruhr oder aus dem Gleichgewicht. Bei den einen Menschen äussert sich das mit Durchfall, bei anderen mit Verstopfung. Dazu kommt, dass sich unterwegs die Rituale verändern, die sanitären Anlagen muss man sich mit anderen Leuten teilen und die Ernährung ist anders. Oder anders gesagt: Selbst bei Leuten ohne Darmprobleme dauert es in den Ferien einige Tage, bis sich die Verdauung wieder so anfühlt wie immer.

    Um die Verdauung generell etwas anzuregen, könnten Sie vermehrt mit Gewürzen kochen. Super für die Verdauung ist zum Beispiel die indische Gewürzmischung Garam Masala. Sie bekommen die Mischung im Reformhaus und können Sie für die Zubereitung fast aller Speisen einsetzen. Zusammen mit Reis kochen, im Gemüse oder auch beim Weichkochen von Hülsenfrüchten. Sie können das Gewürz auch in heisses Wasser geben und es wie einen Tee trinken. Trinken Sie abends etwas warmes Wasser, angereichert mit einem Teelöffel Olivenöl, Kokosöl, Ghee oder Leinöl. Das nährt und schmiert den Darm und beruhigt das Windelement. Mit den Gewürzen können Sie den Darm sanft anregen, mit dem Öl nähren und befeuchten. Verstopfung deutet oft darauf hin, dass die Darmschleimhaut eher zu trocken ist.

  2. marlène wahlen Antworten

    Guete Karfritig
    vorerst nur merci vielmal fürs bloggen; dieser blog ist Nahrung – bis bald
    marlène

  3. Pingback:Ayurveda Philosophie - Sabine Hurni Blogt

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