Annehmen was ist

Die Lohnerhöhung, das Kompliment für das neue Sommerkleid und die Einladung zum Essen nehmen wir immer gerne an. Von Herzen und mit einem Lächeln im Gesicht. Wenn es hingegen um unangenehme Dinge geht, ist das Annehmen viel schwieriger. Annehmen, dass wir nicht mehr in das Sommerkleid passen, zum Beispiel. Annehmen, dass die Kunden ausbleiben, dass die Orientierung fehlt oder dass die Schulter seit Wochen schmerzt.

Ignorieren und Kämpfen

Wir wollen, sollen und müssen gut, schön, erfolgreich und wenn möglich perfekt sein. Dies zumindest der Massstab, den wir an uns selbst haben. Gegenüber anderen Menschen ist die Toleranz grösser. Gegenüber uns selbst, sind wir oftmals richtige Diktatoren, Unterdrücker und lieblose Unholde. Bedingungslos annehmen zu können was ist, Ja zu sagen für Dinge, die wir so nicht für uns selbst ausgesucht haben, das ist enorm schwierig. Oft verbrauchen wir sehr viel Energie im Kampf GEGEN etwas, weil es so schwierig ist, annehmen zu können was ist. Oder wir verwenden Zeit und Kraft im Ignorieren. Auch das ist ein beliebtes Muster, um etwas das ist, nicht annehmen zu müssen. Wir ignorieren eine schmerzende Schulter so lange, bis wir uns fast nicht mehr bewegen können.

Annehmen und Akzeptieren

Annehmen hat meiner Ansicht nach nichts mit Resignation zu tun. Wer resigniert hat sich aufgegeben: «Da kann man nichts machen. Es ist halt so. Ich bin das Opfer. Bewege ich mich halt nicht mehr». Das ist es nicht. Annehmen hat für mich mehr mit Akzeptanz, Wertfreiheit und innerer Ruhe zu tun. Ich kann Ja sagen zu etwas, ohne in die Passivität zu fallen.

Nehmen wir die schmerzende Schulter. Ein Schmerz stört die Harmonie. Es tut gut, lautstark zu Jammern und zu Fluchen. Trotzdem sollte man ein schmerzendes Körperteil weder verfluchen, verurteilen noch ausschimpfen, sondern es eher wie ein krankes Kind voller Fürsorge und Anteilnahme hegen und pflegen. Es ist MEINE Schulter, nicht DIE Schulter, die schmerzt. Unsere Sprache macht diesen kleinen, aber feinen Unterschied auch bei den Kindern und Haustieren.  Ob ich UNSER Hund, DEIN Hund und DER Hund sage, hat emotional eine Bedeutung und sagt aus, in welcher Beziehung ich momentan zu diesem Lebewesen stehe. Offenbar schaffen wir mit unseren Formulierungen automatisch Distanz, sobald die Harmonie gestört ist. Das gilt für den Hund, der etwas ausgefressen hat, das Kind, das nicht so tut, wie die Eltern wollen und auch für die Schulter, das schmerzt. Bleiben Sie in Beziehung zu ihrem Körperteil, das Probleme macht und geben Sie ihm die nötige Aufmerksamkeit. Mein Knie, meine Schulter oder mein Nacken tragen keine Schuld. Sie zeigen nur auf, dass die Belastung zu gross war und ich mir generell zu viel aufgebürdet habe. Ich kann annehmen, mir eingestehen, dass der Körper nicht mehr dieselbe Leistung vollbringen kann wie im zarten Alter von 20 Jahren. Dass ich ab 70 mehr Erholung brauche, wenn ich aktiv war. Und dankbar nicken, wenn mir jemand das Angebot macht, mir den Rücken mit Johanniskrautöl einzuschmieren. Auf die Zähne beissen und durch, das hat nichts mit annehmen zu tun, sondern mit ignorieren wollen.

Annehmen und Handeln

Es ist leider so, dass der Körper mit zunehmendem Alter öfters mal schmerzt. Erste Verschleiss- und Abnutzungserscheinungen zeichnen sich ab. Deshalb gibt es zwei Dinge, die in keinem Haushalt fehlen dürfen: Das ist eine Trockenbürste und eine Flasche Johanniskrautöl. Durch das morgendliche Abschrubben des Körpers erhöht sich die Durchblutung. Der Kreislauf wird angeregt und die Körpersäfte kommen in Bewegung. Man muss dies nicht täglich machen, aber wenn ihr Körper nach der Joggingrunde schmerzt, Ihr Nacken am Morgen hart ist oder die 1000 Höhenmeter bergab zu viel für Ihr Knie waren, kann allein schon das grossflächige Abschrubben der betroffenen Körperteile eine grosse Hilfe sein. Das zweite und fast noch wichtigere Heilmittel für Muskeln, Knochen, Gewebe und Sehnen ist das Johanniskrautöl. Johanniskrautöl wird aus den Blüten einer Pflanze gewonnen, welche in den Sommermonaten mit Sonne und Wärme tanken und als besondere Lichtbringer gelten. Das tiefrote Öl auf Olivenölbasis, auch Rotöl genannt, eignet sich hervorragend zur Linderung von Schmerzen der Gelenke, bei Rheuma, Ischias und Gicht. Es wirkt schmerzstillend, wärmend und entzündungshemmend und gilt als Heilmittel bei Problemen der Haut wie Neurodermitis, Wunden oder Verbrennungen. Auch zur Narbenpflege hat es sich bewährt.

Annehmen und Leben

Annehmen, dass da ein Schmerz ist. Annehmen, dass der Körper mit diesem Schmerz etwas mitzuteilen hat. Annehmen, dass nun Zeit für eine Pause ist. Annehmen, dass Pausen zum Alltag dazu gehören. Annehmen, dass sich die Bedürfnisse des Körpers verändern. Annehmen, dass sich der Umfang des Körpers verändert. Annehmen, dass ohnehin alles ständig in Veränderung ist und wir uns immer neu anpassen müssen. Annehmen, dass das Leben ein fliessendes Gleichgewicht ist, das nur im Fluss bleibt, wenn sich auch immer wieder ein Ungleichgewicht einstellt.

Annehmen, dass im Weg liegende Steine vielleicht da sind, um den richtigen Weg zu weisen, indem wir einen anderen Weg einschlagen. Oder zu erkennen, dass der Stein da liegt, um uns seelisch zu stärken, indem wir ihn aus dem Weg räumen. Weise ist, wer den Unterschied erkennt. Oder wer sich eingesteht, den Unterschied nicht zu erkennen und sich Zeit nimmt, zu warten, bis mehr Klarheit herrscht. Hier hilft oft ein Gespräch mit einem Herzensmensch. Oder ein Fall für ein Heilgespräch: Sich selbst reden hören und während diesem nach innen horchen den Unterschied zu erkennen.

Anmerkung: Ich habe das Thema mit einem riesigen Stein bebildert, weil ich fand, das wir Un-annehmlich-keiten oft als Hindernisse beurteilen. Etwas liegt im Weg zum Glück. Ich habe soeben einen schönen Text im Engelmagazin gefunden, bei dem es ebenfalls um das Annehmen geht. Ein schöner Text, der das Thema Veränderungen auf feine Art und Weise aufgreift.

8 Gedanken zu „Annehmen was ist

  1. Bruno Rüegg BR Antworten

    Liebe Sabine! Habe den ganzen Artikel mit interesse gelesen! Die Massagebürste und das Johanisöl haben mich „beeindruckt“! Spüre meine „Muskeln“ nach dem (lockeren) joggen oder Nordic walken länger als auch schon! Probiere demnächst! … übrigens waren 5 Rüegg’s am Engadiner Skimarathon ! Sohn Bruno und 1 Enkel (Timo) am ganzen, Beatrice (Schwiegertochter), Noah (Zwillingsbruder von Timo) und ich (BR 80) Grossvater am Halbmarathon! Gerne erinnere ich an deine Zeit bei Drogerie Rüegg! Viele Grüsse aus Rüti vom Bruno sen.!🍀🐞👍

    • Sabine Miryam Hurni Autor des BeitragesAntworten

      Lieber Bruno, so schön von dir zu lesen! Wow, immer noch so aktiv? Wenn deine 80-jährigen Muskeln nach dem Joggen etwas ziehen, darfst du glücklich und dankbar und auch ein bisschen stolz sein :-). Du bist der Beweis dafür, dass es sich auszahlt, sein Leben lang körperlich aktiv zu sein. Von Herzen alles Gute!

  2. Nicole Antworten

    Danke für deine schönen Worte in meinen Sonntag. Sie werden mich durch den Tag und die kommende Woche begleiten. Werde ihn noch meinem Herzensmenschen empfehlen zum Teilen. Und nachdem die 485 Stufen vom Dchartenfeld hinab meine nun 50jährugen Knie überforderte, bin ich sehr neugierig aufs Öl geworden 🙂

    • Sabine Miryam Hurni Autor des BeitragesAntworten

      Deine, in den besten Jahren angekommenen Knie werden sich über die ölige Salbung freuen :-)! Und noch ein Tipp, den sicher auch andere Lesende interessieren könnte: Geh richtig rein ins Gewebe. Es gibt eine Massagetechnik, die Walze heisst. Du schiebst deine Daumen durch das Gewebe, als wolltest du die Haut anheben. So ähnlich wie man es bei den Katzen am Nacken machen kann. Dieses Gewebe-Verschieben kann man gut um das ganze Knie herum machen mit dem Öl. Es löst das verklebte Gewebe. Kann anfangs noch etwas ziehen, lindert aber mit den Wiederholungen.

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